Mitgliederversammlung als Grundlage für unsere Vereinsarbeit

  • „Da muss doch einmal einer sagen, wie das gemacht werden muss“ oder „Ich werde mich beim übergeordneten Organ beschweren“ – gibt es ein Vorstandsmitglied eines Vereins, das diese oder ähnliche Sätze noch nicht gehört hat? Natürlich gibt es diese Einrichtung, die sagt, wie es gemacht wird, wo es lang geht und bei der sich das Mitglied auch beschweren kann – die Mitgliederversammlung des eigenen Vereins! Nach einer kurzen Pause, Zeit zum Nachdenken, kommt dann oft: „Da gehe ich nicht mehr hin, weil ...“ 
  • Der Verein ist eine juristisch selbstständige Person, hier hat keiner (bis auf wenige Ausnahmen) das Recht reinzureden – das ist gelebte Demokratie. Wie oft kam es vor, dass sich vor der politischen Wende in der ehemaligen DDR Vereinsmitglieder beschwert hatten, dass Staat und Partei Einfluss auf die inneren Angelegenheiten des Vereins genommen haben – begonnen bei der Wahl des Vorstandes bis hin zu den Wettbewerbszielen des Vereins.
  • Ich erinnere mich noch sehr genau an Gespräche unmittelbar nach der Wende: „Nie wieder lassen wir uns in Vereinsangelegenheiten reinreden! Jetzt entscheiden wir!“ Gut, dieses Selbstvertrauen! Unverständlich ist es aber, dass jetzt der Ruf nach dem „großen, starken Mann“ wiederkommt, der alles für den Verein und die Mitglieder klärt. Wo ist unser Selbstvertrauen aus der Aufbruchszeit geblieben? 
  • Liebe Mitglieder, Ihr habt es in der Hand zu sagen, in welche Richtung der Verein geht. Ihr legt einzig und allein fest, wer Vorstand wird und was dieser zu tun und zu lassen hat – natürlich auf der Grundlage der Satzung, Eures „Grundgesetzes“. Aber auch diese wird nur von Euch selbst beschlossen – auch hier herrscht Vereinsautonomie. Natürlich ist bei alledem das geltende Recht zu beachten. In die Mitgliederversammlung kann jedes Mitglied seine eigenen Ideen, Vorschläge, natürlich auch Beschwerden hineintragen. Ein Blick in die Satzung bezüglich der Form und der Art des Hinweises oder der Beschwerde hilft dabei ungemein. 
  • Wird ein Antrag an die Mitgliederversammlung gestellt, hat der Vorstand kein Recht darüber zu befinden, ob dieser vor der Versammlung behandelt wird oder nicht – darüber befindet einzig und allein die Mitgliederversammlung. Selbstverständlich muss die Mitgliederversammlung nicht jeden Antrag befürworten (auch das ist Demokratie), dann bleibt dem Mitglied nur noch als einzige Möglichkeit, ein Gericht zu bemühen. Denn kein Verband, kein Bürgermeister oder kein anderer Außenstehender hat das Recht und die Macht, rechtmäßig gefasste Mitgliederbeschlüsse außer Kraft zu setzen. 
  • Es gibt in einer Demokratie keinen „großen, starken Mann“, der alles regelt, denn niemand anderer außer Ihr selbst seid das. Deshalb: Wertet mit Eurer Anwesenheit die Mitgliederversammlung auf. Macht sie zu dem, was sie ist – das höchste Organ im Verein!

Quellenhinweis:

Landesverband Sachsen der Kleingärtner e.V.

Lothar Fritzsch, LSK-Vizepräsident